Essen oder tanken?: Neue Kampagne warnt vor Umwelt- und Ernährungsrisiken durch Pflanzentreibstoff-Boom
Die Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament starteten heute die zweite Phase ihre "Food Culture"-Kampagne, die unterem anderem die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Risken lenken will, die durch den derzeitigen Boom bei pflanzlichen Treibstoffen (irreführenderweise oft als 'Bio'treibstoffe bezeichnet) entstehen. Während einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Kampagne erklärte heute der grüne Europa-Abgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vize-Präsident des Agrarausschusses:
"Die Euphorie über pflanzliche Treibstoffe verdeckt die ernsthaften ethischen und umweltpolitischen Probleme, die die industrielle Agrarproduktion verursacht. Pflanzliche Treibstoffe werden als ideales Rezept gegen Ölabhängigkeit und Klimawandel angepriesen. Der Öffentlichkeit wird mit dem Etikett "Bio"-Treibstoff vorgetäuscht, dass pflanzliche Treibstoffe per se für die Umwelt positiv seien. Dies ist nicht der Fall. Zudem gefährdet der zunehmende Verbrauch von Pflanzenkraftstoffen die globale Lebensmittelsicherheit. Wir dürfen der Weltbevölkerung das Recht auf gesunde Ernährung nicht durch eine verfehlte Agrar- und Energiepolitik streitig machen. Die EU muss deshalb für verbindliche ökologische Standards bei der Pflanzentreibstofferzeugung und bei Rohstoffimporten sorgen und dabei die Ernährungssicherung berücksichtigen."
Rebecca Harms, Vizepräsidentin der Fraktion Die Grünen/EFA und energiepolitische Sprecherin erklärte:
"Steigende Ölpreise und die Notwendigkeit den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern, haben zu einer euphorischen Unterstützung für Pflanzentreibstoffe geführt. Wie groß ihr tatsächlicher Nutzen für die Umwelt ist wird sich erst weisen: Die Produktion von Biotreibstoffen ist sehr energieintensiv und hat oft sogar eine negative CO2-Bilanz: Die Abholzung von Regenwäldern, um Flächen für den Anbau von Energiepflanzen zu gewinnen, steht im Widerspruch zu Klimaschutzzielen.
Die Begeisterung für Biosprit lenkt von unserem eigentlichen Problem ab: dem viel zu hohen Verbrauch. Die Kommission hat als Ziel einen 10 %igen Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 vorgeschlagen. Wenn wir nicht zu einer Verringerung des Energieverbrauchs und zu einer Verbesserung der Energieeffizienz kommen, ist ungewiss, ob diese Quote überhaupt zu einer Verringerung der Emissionen führt. Wenn die Kommission den Klimawandel und die Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss sie auf Effizienz setzen. Wer vor verbindlichen Grenzwerten für den Benzinverbrauch von Autos zurückschreckt, ist sicher nicht auf dem richtigen Weg."
Satu Hassi, Vize-Präsidentin des Umweltausschusses ergänzte:
"Es gibt ein gewaltiges und bis jetzt nicht genütztes Potential sowohl beim Energiesparen als auch bei der Treibstoffproduktion aus organischem Abfall. Es ist klar, dass Pflanzentreibstoffe weiter eine Rolle bei der künftigen Energieversorgung spielen werden, jedoch wird die aktuelle explosionsartige Produktionssteigerung ohne strenge Umweltkriterien negative Auswirkungen auf die Umwelt haben."
Ein Grünes Briefing zur wachsenden Konkurrenz zwischen Lebensmittelversorgung und Energieproduktion finden Sie unter folgendem Weblink: http://www.greens-efa.org/cms/topics/dokbin/166/166731.essen_oder_tanken@en.pdf